01.09.2014

Bolonka was nun?-Zur Lage der Rasse

 Der Bolonka Zwetna ist in den letzten Jahren in Mode geraten, was selten einer Rasse gut getan hat.

 

Züchter schießen wie Pilze aus dem Boden, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass der Bolonka ein recht kleiner Hund, mit recht kleinen Würfen ist.

Viele, die sich ihren Hund ursprünglich als reines Familienmitglied zugelegt haben, sehen in Foren oder bei Facebook viele süße Welpenbilder von Züchtern und schon regen sich die Mutterinstinkte und man selber möchte mal so kleine Wollknäule haben.

 

Kein Besitzer, einer Deutschen Dogge, würde jemals auf die Idee kommen, einfach mal so einen Wurf haben zu wollen. Solch große Rassen werfen oft zehn und mehr Welpen.

Die Welpen wiegen bei Abgabe 10kg und mehr und hinterlassen reichlich Würstchen mit Limo.

So „Bluna“ ist kaum jemand, sich so etwas im eigenen Wohnzimmer antun zu wollen.

 

Dagegen sind 3-4 Bollibabys, die bei Abgabe ca. 1kg wiegen, doch eine recht überschaubare Aufgabe und lassen sich in jeder Zimmerecke halten.

Schnell wird sich in einem Verein angemeldet und schon nennt man sich Züchter.

 

Leider übersehen viele, dass das wenig mit Zucht zu tun hat.

 

Zucht kommt von ziehen und verfolgt eine Absicht.

Im Idealfall ist das Ziel die Gesunderhaltung und Verbesserung der Rasse. (Leider kann man davon nicht bei allen Rassen sprechen, da manches Zuchtziel bei Rassehunden doch sehr fragwürdig ist, aber das würde hier zu weit führen.)

 

Um eine Rasse verbessern und gesund erhalten zu können, bedarf es aber umfangreicher Kenntnisse bezüglich Genetik, Rassedispositionen, Linien,….

 

Wenn man sich Züchter nennen möchte, reicht es nicht, zwei süße Hunde aufeinander los zu lassen.

Leider wird dies beim Bolonka aber häufig so praktiziert.

 

Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass der Bolonka in Deutschland erst seit ca. 3 Jahren anerkannt ist und dies auch nur als nationale Rasse.

 

Hierzu muss man  wissen, dass nicht jeder Hund mit einer Ahnentafel einer anerkannten Rasse angehört.

Grundsätzlich kann in Deutschland jeder einen Verein gründen und dort seine eigenen Regeln festlegen.


So gibt es in der Rassehundezucht soetwas wie eine „Zweiklassengesellschaft“.

 

Auf der einen Seite stehen die Vereine, die dem VDH angehören, der so etwas wie ein Dachverband für die deutsche Hundezucht ist.

Hier gelten für alle Rassen einheitliche, recht strenge Regeln, über die im Idealfall mit großer Sorgfalt gewacht wird.

Alle angeschlossenen Vereine haben sich an diese Regeln zu halten und können das Regelwerk bezüglich der jeweils betreuten Rasse erweitern, ohne dabei die Regeln des VDH´s außer Kraft zu setzen.

 

Soweit so gut!

 

Dem gegenüber stehen die Dissidenzvereine.

Einen solchen Verein kann jeder gründen und dort Regeln machen, wie es ihm beliebt.

Es reichen 7 Gleichgesinnte, die man für den Vorstand eines solchen eingetragenen Vereins benötigt.

Wenn es ganz krass kommt, können sich also auch ein paar Vermehrer zusammenschließen, einen Verein gründen und den eigenen Hunden Papiere ausstellen.

Wenn sie wollen, sogar für sogenannte Designerdogs (Mischlinge aus zwei Rassen).

 

Das soll nicht heißen, dass jeder Dissidenzverein so ist.

 

Es gibt auch hier durchaus Vereine, die ihre Aufgabe ernst nehmen und um die Rassegesundheit und –verbesserung bemüht sind.

Leider gibt es aber auch die schwarzen Schafe.

Für den Laien, der zum ersten Mal einen Bolonka kauft, ist dies natürlich kaum nachzuvollziehen.

 

Eins ist klar, wer betrügen will, der schafft dies überall, nur wird es in manchen Vereinen, manchen Vermehrer sehr leicht gemacht zu betrügen.

 

Wenn es ganz hart kommt, stellen sich Vermehrer sogar selber die Papiere aus und niemand kann nachvollziehen, ob stimmt, was da dokumentiert wird.

 

Die meisten Bolonka in Deutschland stammen  heute noch aus Dissidenzvereinen, da es ja, wie schon gesagt, erst seit ca. 3 Jahren die Möglichkeit gibt den Bolonka unter Aufsicht des VDH´s zu züchten.

Diese Möglichkeit nehmen aber bis jetzt erst eine Hand voll Züchter war, was wiederum verständliche Gründe hat.

 

Der VDH erkennt die Ahnentafeln der Bollis, die in Dissidenzvereinen gezogen worden sind nicht an, sondern lediglich Ahnentafeln aus Ländern, in denen der Bolonka von den dortigen nationalen Dachverbänden, die wiederum dem internationalen Dachverband (FCI) angeschlossen sind, anerkannt sind.

 

Das Zuchtbuch des VDH ist für den Bolonka allerdings noch geöffnet.

Dies bedeutet, dass dort auch jeder in Deutschland gezüchtete Hund vorgestellt werden kann.

Dieser wird dann phänotypisiert. Befindet der Verein, dass er optisch einem Bolonka entspricht, dann kann auch im VDH mit diesem Hund gezüchtet werden. Allerdings wird in der Ahnentafel des Hundes, wie auch in der seiner Nachkommen, vermerkt, dass dieser Hund nicht nach den Regeln des VDH gezüchtet worden ist und die Ahnen dieses Hundes werden nicht in die neue Ahnentafel übernommen.

 

Dies schreckt wohl so manchen Züchter ab, der Hunde mit Ahnentafel für viel Geld gekauft hat und nun mit leeren Ahnentafeln weiter züchten soll.

 

So wird von den meisten der wenigen VDH-Züchter, mit russischen oder tschechischen Hunden gezüchtet, von denen viele leider aus den gleichen Linien kommen, so dass es schwer ist überhaupt geeignete Zuchtpartner zu finden.

 

Die Züchter im VDH kochen also ihr eigenes Süppchen unter nicht sehr leichten Bedingungen.

 

Die Züchter in der Dissidenz kämpfen wiederum mit ganz anderen Schwierigkeiten.

 

Da ist zum einen die Inkompetenz vieler, die einfach nur mal Welpen haben wollen und aus Unwissenheit häufig mit Hunden züchten, die sicher verdient haben, von ihren Familien geliebt zu werden, aber nicht unbedingt vermehrt werden müssten. Noch dazu werden sie häufig mit Partnern verpaart, auf die dasselbe zutrifft.

 

Dann sind da auch noch die Vermehrer, die erkannt haben, dass sich mit dem Modehund Bolonka gut Geld verdienen lässt. Denen ist das Lebewesen ohnehin egal. Hauptsache die Kasse stimmt. Das ganze auch noch zu horrenden , durch nichts gerechtfertigten Preisen, da es ja so einfach ist, an Papiere zu kommen.

 

Gerne kreuzt man auch noch mal eine andere Rasse ein, um Modefarben zu etablieren und sich von anderen abzuheben. Dabei werden aber Gendefekte, zum Teil aus Dilettantismus, zum Teil sogar mit voller Absicht, eingekreuzt.

 

Auch in der Dissidenz gibt es etliche seriöse Züchter.

Wie gut ein Züchter ist, liegt dort immer daran, welche Ansprüche er an sich selber stellt.

 

Leider findet sich ein Dissidenzzüchter, der es wirklich gut mit der Rasse meint, in einem Topf wieder, mit den Vermehrern und Dilettanten.

Mit dem Murks, den diese machen, muss er im Zweifel ja auch weiter züchten, da niemand auf Dauer nur mit den eigenen Linien auskommt, ohne Inzucht zu betreiben.

 

Alles in allem, also schwere Zeiten für seriöse Züchter und vor allem für die Rasse Bolonka.

 

Mein Wunsch für die Zukunft des Bolonka wäre, dass es endlich eine Lobby unter den seriösen Züchtern gäbe und diese den schwarzen Schafen das Leben einfach ein bisschen schwerer machen würden.

Im Moment ist es leider umgekehrt.

Die schwarzen Schafe machen denen, die es gut mit der Rasse meinen, das Leben verdammt schwer.

 

Ina Stühmer