03.09.2014

Was unterscheidet einen Züchter von einem Vermehrer?

Da fange ich mal mit der leichteren Frage an.


Was ist ein Vermehrer?


Ein Vermehrer produziert Welpen .

Sein Ziel ist in erster Linie die gewinnbringende Vermarktung der Ware Hund.

Er muss in vorrrangig einmal Kenntnisse haben, welche Rassen, in welchen Farben auf dem Markt gefragt sind.

Dann sollte er wissen, wie man Hunde am besten vermarktet.

Stichwort: Werbung,…

Zusätzlich muss er sich aber auch in der Gesetzgebung auskennen.

Stichwort: Einhaltung des Tierschutzgesetzes, was sagt die Gewerbeaufsicht, ist das rentabel,….

Anmerkung

Leider steht selten Vermehrer drauf, wo Vermehrer drin ist. Eine Ahnentafel allein stellt leider keine Garantie dar.

 

Die schwierigere Frage ist:


Was ist ein Züchter?


Ein Züchter produziert Welpen.

Sein Ziel ist in erster Linie die Verbesserung der Rasse.


Genau an dieser Stelle wird es schon schwierig.


Die Meinungen, wie so eine Verbesserung der Rasse auszusehen hat, können schon sehr weit auseinander liegen.


Die einen beziehen sich auf den Standard, der in erster Linie mal optische Kriterien enthält und lediglich im Idealfall auch ein paar gesundheitliche Aspekte anspricht.


Diese Züchter versuchen sich streng an das Erscheinungsbild zu halten, was in vielen Fällen aber im krassen Gegensatz zur Gesunderhaltung der Rasse steht.


Wir alle wissen, dass viele Rassehunde Opfer von fragwürdigen Zuchtkriterien sind.

Da werden Nasen weg gezüchtet, so dass die Hunde kaum noch atmen können, geschweige denn genug Luft haben um mal zu rennen.

Da werden Falten angezüchtet, in denen sich mangels Belüftung Entzündungen bilden.

Da werden Köpfe so klein gezüchtet, dass das Hirn keinen Platz mehr hat und die Tiere unendlich leiden.

Da wird Hunden ein solcher Körperbau angezüchtet, dass sie sich nicht mal mehr eigenständig fortpflanzen können.

….


Ist das beim Bolonka auch so?

Jein.

Leider ist es so, dass im Standard des Bolonka Zwetna die Größe nach unten geöffnet worden ist.

Nun passen auch sehr viel kleinere Hunde in diesen Standard, als das bisher der Fall war.

Dies halte ich für eine gesundheitlich sehr bedenkliche Entwicklung, auf die ich, in einem späteren Beitrag, noch mal genauer eingehen werde.


Sicher ist es einfach, andere Rassen zu verteufeln, bei denen ganz offensichtlich die Gesundheit hinter dem optischen Kriterien zurück steht.


Dabei müssen wir uns aber auch Fragen, was wohl unsere Bollis sich wünschen würden, wenn sie denn die Wahl hätten.

Ganz klar ist, dass sich wohl kein Hund Furnishing wünschen würde.

Auf diese Gefussel rund um Augen und Nase könnte wohl jeder Hund gut und gerne verzichten.

Bichons, zu denen unsere Bollis nun mal gehören, haben aber grundsätzlich  diese Behaarung im Gesicht und folglich müssen wir damit umgehen.

Nichts desto trotz sollten wir uns klar machen, dass ein solches Rassemerkmal nichts mit der Gesundheit der Rasse zu tun hat.

Der Hype, der darum gemacht wird, ist in meinen Augen durch nichts zu rechtfertigen und zeigt nur, wo Züchter Prioritäten setzen.

Ein Bolonka ohne Furnishing ist vielleicht sogar der glücklichere und gesündere Hund.

Er sieht halt nur nicht aus wie ein Bolonka.

Ich will damit nicht sagen, dass man auf das Furnishing verzichten sollte, man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass nicht alles Gold ist was glänzt und dass auch der Bolonka Eigenschaften hat, die aus gesundheitlicher Sicht nicht perfekt sind.

 

Aber zurück zum Ausgangspunkt.


Im Gegensatz zu den Züchtern, die rein nach Optik züchten, gibt es auch die, denen die Gesundheit wichtiger ist.

Da darf ein Bolonka dann auch mal etwas größer sein, als der Standard es vorgibt, oder er darf mal nur einfaches Furnishing haben, oder lockigeres Fell,…..


Dann gibt es da auch noch Menschen, die meinen Gott spielen zu müssen und  die den Hund zu ihrem Experimentierfeld machen.

Ihnen geht es in erster Linie darum etwas, neues, einzigartiges zu schaffen.

Die Gründe dafür können vielfältig sein: Selbstdarstellung, ein Produkt, was sich teuer verkaufen läßt,…

In jedem Fall ist hier die Frage zu stellen, ob das wirklich der Verbesserung der Rasse dient und ob dies wirklich Züchter sind, oder ob hier nicht eher die Kriterien des Vermehrers greifen???

 

Nun muss noch eine Frage beantwortet werden.


Was muss ein Züchter für Kenntnisse haben?


Selbstverständlich muss er den Standard kennen.

Das reicht aber bei weitem nicht aus.

Um den Standart zu erreichen, muss er natürlich auch wissen, was in seinen Zuchtlinien überhaupt drin steckt.

Welche optischen und gesundheitlichen Eigenschaften hatten die Vorfahren?

Es reicht ja nicht, sich die Eltern seiner Welpen anzusehen.

Da wird einen so manche Überraschung erwarten, da eben auch die Ahnen immer mal wieder durch schlagen.

Um zu verstehen, was ich wie in der Zucht erreichen kann, bedarf es grundlegender genetischer Kenntnisse.

Nur wenn ich begriffen habe, wie Erbgänge funktionieren, kann ich entscheident, mit welchem Hund es überhaupt Sinn macht zu züchten und welches Zuchtziel ich mit welchem Tier erreichen kann.


Das genau macht Züchten aus.

 

Kein Züchter kann für sich alleine existieren.

Auf Dauer ist jeder Züchter nicht nur auf das Genmaterial, welches andere Züchter in ihrer Zucht haben, angewiesen, sondern vor allem auch auf deren Wissen.

Es ist absolut unerlässlich, dass Züchter offen und ehrlich sind und nicht versuchen unter den Teppich zu kehren, wenn in ihrer Zucht mal etwas nicht glatt läuft.

Es handelt sich immer noch um Lebewesen und nicht um Maschinen.

Es ist keine Schande, wenn man mal einen züchterischen Rückschlag einstecken muss.

Eine Schande ist es nur dann, wenn man einen solchen Rückschlag verschweigt und damit seinen Züchterkollegen die Möglichkeit nimmt, aus diesen Rückschlägen zu lernen.

Wer so handelt, verdient es nicht sich Züchter zu nennen, da er eben eher die Kriterien des Vermehrers erfüllt.

Er will keine Antiwerbung für sich und die Rasse machen. Es geht also mehr um Einnahmen, als um die Rasse.

 

Man sollte nicht vergessen, dass jeder Züchter zwar nur einen winzigen Bruchteil einer Population erzüchtet, dass aber jede noch so kleine Ursache ein große Wirkung in der Zukunft haben kann.

Es brauch nur ein optisch vielversprechender Rüde, der eine Krankheit trägt, die der Züchter verschwiegen hat, in die Zucht gelangen und es kann ein nicht wieder gutzumachender Schaden für die ganze Rasse entstehen.

Selbst wenn dieser Rüde nur einmal deckt, können Nachkommen von ihm diese Krankheit, je nach Erbgang, weiter geben.

Oft gibt es dann in wenigen Jahren mehrere Hundert Nachfahren eines solchen Hundes.

Nach 3-4 Generationen fällt dieser Krankheitsträger aus den Ahnentafeln, was aber nicht heißt, dass die Nachfahren nicht mehr das krankmachende Gen in sich tragen.

Werden dann nichts ahnend zwei solche Hunde mit dem gleichen Gen miteinander verpaart, entstehen kranke Hunde.


Nicht bei allen Krankheiten ist es so, dass man das den Welpen gleich anmerkt.

Oft entpuppt es sich erst, wenn ein solcher Hund bei den neuen Besitzern eingezogen ist und längst deren Herz erobert hat.

Das bedeutet dann häufig nicht nur Leid für den Hund, sondern auch für den Besitzer (ganz zu schweigen von dem finanziellen Loch, das Tierarztrechnungen in die Kasse reißen).

 

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass wir im Internetzeitalter leben.

Auch Liebhaber sind heute über soziale Netzwerke gut vernetzt, so dass solche Dinge früher oder später ans Tageslicht geraten.

Da nützt alles vorherige verschweigen, oder gar leugnen einer Krankheit nichts.

Es fällt auf die Rasse und im Zweifel auch auf den einzelnen Züchter zurück und bewirkt damit das genaue Gegenteil von dem, was durch das Verschweigen eigentlich erreicht werden sollte.

 

Langer Rede kurzer Sinn, muss man feststellen, dass es zwischen dem Vermehrer und dem verantwortungsvollen Züchter viele Graustufen gibt.

 

Für den Bolonka Zwetna ist es höchste Zeit, dass mehr Züchter ihre Verantwortung erkennen und auch wahrnehmen.

Nur ein gemeinsames Ziel kann auch erreicht werden.

Züchten kommt von ziehen.

Wenn jeder in eine andere Richtung zieht, ist das wenig zielführend.

 

Ina Stühmer