04.09.2014

Die Wichtigkeit von Datenbanken

Hier möchte ich noch einmal auf meinen Beitrag von gestern beziehen, indem es auch darum ging, wie wichtig es ist, dass Züchter untereinander offen und ehrlich sind.

Wenige Stunden nach Veröffentlichung erreichte mich die Mail einer Züchterin, die mir in fast Allem, was in diesem Artikel stand, zustimmte.

Ein´s gefiel ihr allerdings nicht.

Sie fand es nicht unseriös, wenn Züchter Dinge für sich behalten.

Ihr Argumente war (sinngemäß), dass, wann immer man offen und ehrlich ist, die Meute über einen her fällt und ein Shitstorm losbricht.

Das stimmt.

Aber wer ist diese Meute?

Das sind zum einen Leute, die nicht wirklich so im Thema drin stecken, sich ein oberflächliches Bild machen und dann in sozialen Netzwerken auch mal ihren Senf dazu geben.

Diese würden sich an solchen Diskussionen aber gar nicht beteiligen, wenn es nicht Leute geben würde, die diese Diskussionen bei Facebook und sonstigen Plattformen anheizen würden.

Diese Anheizer sind in der Regel andere Züchter.

Nichts ist einfacher, als mit dem Finger auf andere zu zeigen und unter Leuten, die nur begrenzt Ahnung von Zucht und Rassegesundheit haben, Gerüchte zu streuen, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

Meist sind das Züchter, die von der eigenen Zucht nichts Preis geben, aber alles sammeln, was bei anderen so vor kommt, um es dann an geeigneter Stelle mal in den Raum zu werfen.

Dummer Weise lassen sich die Züchter, die bisher kein Geheimnis aus den Fehlschlägen in ihrer Zucht gemacht haben, von solchen Leuten beeindrucken und ziehen die falschen Konsequenzen.

Auch sie halten in Zukunft alles unter dem Deckmäntelchen des Schweigens, worunter am Ende wieder alle anderen Züchter zu leiden haben, da sie keine Möglichkeit haben, in ihrer Zucht zu reagieren.


Hier bedarf es dringend einer Lobby unter den Züchtern, die wirklich Interesse an der Verbesserung der Rasse haben.


Plattformen, wie Facebook, sind in meinen Augen aber der falsche Weg.

 

Seit Ende 2012 gibt es die erste Datenbank für den Bolonka Zwetna.

Dies war lange überfällig.

In dieser Datenbank werden nicht nur die Ahnentafeln gesammelt, sondern auch optische und gesundheitliche Daten.

Allerdings gibt es hier unterschiedliche Zugänge für Züchter und Liebhaber. Nur Züchter können die gesundheitlichen Daten einsehen, da es für Liebhaber oft schwer ist, diese richtig zu deuten und sonst schnell wieder die Gerüchteküche, auf sozialen Netzwerken, hoch kocht.

Datenbanken sind der geeignete Ort für Züchter, um dort alles zu sammeln, was für den Erhalt der Rasse wichtig ist.

Hier kann jeder Züchter nachsehen, ob es erblich bedingte Erkrankungen unter der Verwandtschaft seiner eigenen Zuchthunde gibt, vorausgesetzt andere Züchter waren ehrlich genug, diese hier einzutragen.

Sollte eine erbliche Krankheit plötzlich vermehrt auftreten, dann bietet die Datenbank die Möglichkeit eines Ahnenabgleichs.

Hat man genug Daten, dann ist es möglich den Ursprung dieser Erkrankung ausfindig zu machen und jeder Züchter, der Nachkommen aus dieser Linie hat, weiß dann, dass er niemals zwei Hunde miteinander verpaaren sollte, die beide auf diesen Vererber zurück gehen.

Ohne eine Datenbank ist so etwas gar nicht großflächig möglich.

Da betätigt sich dann nur wieder der Buschfunk, es entstehen Gerüchte und die eigentlich richtigen und wichtigen Informationen kommen nur bei einer Hand voll Züchter an.

Andere nutzen bei nächster Gelegenheit wieder die bekannten Netzwerke um einen Züchterkollegen in die Pfanne zu hauen und Gerüchte zu streuen.

Es nützt also in Wirklichkeit gar nichts Dinge geheim zu halten, da die, die den Kollegen gerne mal in die Suppe spucken, das ohnehin tun werden.

Dann steht man erst recht dumm da und muss sich gegen, womöglich völlig verdrehte Darstellungen wehren.

Noch dazu wird einem dann Unseriosität unterstellt.

 

Hier mal ein aktuelles Beispiel, für etwas, was in meinen Augen völlig schief läuft.

Neuerdings ist ein Gentest für den Bolonka zugelassen, der Träger einer erblich bedingten Erkrankung ermitteln kann. (Diese Krankheit wird hier in naher Zukunft Thema sein)

Dies wird in einer Züchtergruppe bei Facebook diskutiert.

Da es aber, wie bereits auf der Seite „über mich“ beschrieben, mindestens zwei, inzwischen sogar eher noch ein paar mehr, Lager unter den Züchtern gibt, ist nur ein Teil der Züchterschaft in dieser Gruppe.

Die meisten anderen Züchter sind noch immer völlig ahnungslos, dass es diesen Test überhaupt gibt und viele wissen nicht mal, dass es diese Krankheit überhaupt beim Bolonka gibt.

Es handelt sich bei dieser Krankheit um einen rezessiven Erbgang. D.h. nur wenn sowohl Vater und Mutter das Gen an den Nachkommen weiter gegeben haben, dann kommt die Krankheit zum Ausbruch. Das tückische ist, dass dies, bei dieser Erkrankung nicht sofort passiert, sondern auch erst Jahre später passieren kann, wodurch vermutlich etliche Fälle nie bekannt werden.

Nun sammelt man in dieser Facebook Gruppe Daten und tatsächlich gibt es offene und ehrliche Züchter, die dort eintragen, dass ihre Hunde Träger sind und andere die eintragen, dass ihre Hunde frei von der Krankheit sind.

Sogar die Eltern werden mit eingetragen.

Die Quote der Träger liegt über 10% und vermutlich haben nicht alle, die Trägertiere haben, den Mut, diese dort einzutragen, während die, deren Tier frei sind, dies natürlich viel eher bedenkenlos tun.

 

Nun gibt es ein paar Züchter, die so schlau sind und sich die Mühe machen, die Trägerhunde, aus der internen Liste, die sie in der Datenbank finden, miteinander zu vergleichen. Dabei sei erwähnt, dass von denen nur ein kleiner Teil auch in der Datenbank als Träger eingetragen ist.

Diese Züchter, die mitgedacht haben, erstellen nun für sich selber Listen, welches wohl die ursprünglichen Träger waren und in welchen Nachkommen es auch stecken muss.

Diese (nicht ganz vollständige) Listen kursiert nun auch in einem noch kleineren Züchterkreis, obwohl man sagen muss, dass die Datenmenge noch nicht groß genug ist, um den Ursprung der Krankheit sicher zu ermitteln.

Es gibt da immernoch mehrere mögliche Varianten.

Andere Züchter hingegen sind weiterhin völlig ahnungslos und verpaaren weiterhin Tiere miteinander, die beide Träger sind und bei denen 50% der Nachkommen wieder Träger sein werden und 25% leider betroffen sein werden.

Es wäre wichtig, dass zentrale Stellen genutzt werden, an denen alle Züchter an die entsprechenden Daten kommen können und wo sie diese ,möglichst leicht, auch nutzen können.

Dazu gibt es Datenbanken.

Grade wenn so etwas bekannt wird, sollte von der gesamten Züchterschaft an einem Strang gezogen werden.

In diesem Fall müssen ja nicht mal Träger aus der Zucht genommen werden. Es muss lediglich vermieden werden, dass zwei Träger miteinander verpaart werden.

Für die Zukunft wäre es dann zusätzlich sinnvoll, wenn man Nachkommen von Trägern testet, die an Züchter verkauft werden um zu vermeiden, dass es immer mehr Träger in der Zucht gibt.


Dies ist nur ein sehr aktuelles Beispiel, welches die Wichtigkeit von Datenbanken verdeutlicht.

In Zukunft werde ich weitere Beispiele nennen und das heutige Thema immer mal wieder aufgreifen.

 

Seit kurzem gibt es übrigens eine zweite Datenbank für den Bolonka.

Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sich Züchter schon lange nicht mehr wohl gesonnen sind und es wie schon erwähnt, inzwischen mehrere Lager gibt.

Mir persönlich wäre es lieber, wenn es nur eine zentrale Stelle geben würde, an der zuchtrelevante Daten gesammelt werden.

Da dies aber scheinbar nicht möglich ist, ist es mir immer noch lieber, dass zwei Datenbanken nebeneinander existieren, als dass Daten geheim gehalten werden.

Welche Daten für wen, bei dieser zweiten Datenbank einsehbar sind, entzieht sich meiner Kenntnis und bitte ich dort zu erfragen.

Bei der unten verlinkten Datenbank, bei der ich selber mitwirke, sind Gesundheitsdaten in jedem Fall nur für Züchter einsehbar.

Ich rufe alle Züchter, die wirklich Interesse an der Rasse haben dazu auf, sich bei einer Datenbank anzumelden und an dem Ziel, der Verbesserung der Rasse, welches jeder, der sich Züchter nennt haben sollte, mit zu arbeiten.

 

Ina Stühmer