05.09.2014

Das kleine 1x1 der Erbgänge  und die Relevanz für den Bolonka

Inzwischen ist es unter Züchtern üblich, eine ganze Reihe von Gentests und sonstige Untersuchungen bei seinen Zuchttieren durchführen zu lassen und dies auch auf seinen Homepages zu dokumentieren.

Für potentielle Welpenkäufer macht dies natürlich erst mal einen seriösen Eindruck, wenn gleich Ottonormalverbrauch kaum in der Lage sein dürfte, diese Testergebnisse, zu deuten.

Selbst wenn da Ergebnisse stehen, die alles andere als positiv zu werten sind, muss es auf den Kunden so wirken, als sei es etwas ganz tolles, da niemand annimmt, dass Hunde mit negativen Eigenschaften beworben werden.


Hier möchte ich nun ein wenig Licht ins Dunkel bringen.


Die üblichen Dinge, die man auf Züchterseiten so findet sind Tests auf Patellaluxation (PL), Furnishing (F), Dilution (D) und hin und wieder findet man auch noch Ergebnisse zu PRA, Farben wie braun und rot und Merle (M).

Zusätzlich steht da dann auch noch, dass ein Hund frei von erblich bedingten Augenerkrankungen ist, gegebenenfalls inklusive Gonioskopie.

Dann findet man auch noch immer häufiger die Bemerkung, dass die DNA  hinterlegt ist.


Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich!


Ich beginne mal wieder bei den einfacheren Dingen, die schon länger üblich sind.


Untersuchungen auf Patellaluxation und Augenuntersuchungen sind reine ärztliche Untersuchungen, die nur aussagen, auf welchem gesundheitlichen Stand der Hund zum Zeitpunkt der Untersuchung war.

Diese Untersuchungen sagen nichts über die Erbanlagen des Hundes aus.

Einige der untersuchten Krankheiten können sowohl ererbt, als auch erworben sein.

Andere können erblich sein und trotzdem erst später auftreten.

Diese Dinge sollen aber nicht hier, sondern an anderer Stelle besprochen werden.


Hier sollen in erster Linie die Gentests Thema sein.


Dazu muss man zunächst einmal wissen, dass es unterschiedliche Erbgänge gibt und deshalb nicht jeder Test gleich zu deuten ist.

Es gibt eine Vielzahl an Erbgängen, von denen hier aber nur die einfachsten angesprochen werden.

Bei einfachen Erbgängen ist es so, dass nur ein einzelnes Gen für die Ausbildung eines bestimmten Merkmals entscheidend ist.

Der Welpe hat jedes dieser Gene aber immer zwei Mal.

Eins bekommt er von der Mutter und eins vom Vater.

Jeder Elternteil besitzt natürlich auch immer den doppelten Satz eines Gens, von dem aber immer nur eins willkürlich an den Nachkommen weiter gegeben wird.

Nun gibt es aber dominante Gene und rezessive Gene.

Dominante Gene werden in Testergebnissen jeweils in Großbuchstaben geschrieben, während rezessive mit Kleinbuchstaben notiert werden.

Ein dominantes Gen benötigt ein Hund nur einmal um das entsprechende Merkmal auszubilden, während ein rezessives Gen doppelt vorhanden sein muss, damit das Merkmal zu Tage tritt.

 

Gehen wir nun die für den Bolonka relevanten Gentest einmal durch.

 

Da gibt es zunächst einmal dominante Erbgänge.


Hierzu zählen das Furnishing-Gen, das Merle-Gen, aber auch die Farbe schwarz.


Die Farbe schwarz wird mit dem Buchstaben B bezeichnet.

Das rezessive b bezeichnet hingegen die Farbe braun.

Die Elterntiere können nun im Bezug auf dieses Gen unterschiedliche Kombinationen an Genen haben.


BB= der Hund ist schwarz und kann auch nur schwarz an seinen Nachwuchs vererben

Bb= der Hund ist schwarz, kann aber schwarz oder braun vererben

bb= der Hund ist braun und kann auch nur braun vererben.

 

Gegen wir nun die unterschiedlichen Verpaarungen durch:


BB+BB=BB -alle Nachkommen sind schwarz

BB+Bb=BB oder Bb – alle Nachkommen sind Schwarz, ein Teil kann aber braun vererben

Bb+Bb= BB oder Bb oder  bb – schwarz und braun ist möglich, einige schwarze können braun    vererben

bb+bb=bb zwei braune Hunde können nur braunen Nachwuchs bekommen

 

Das ganz kann allerdings durch die Farbe rot, bzw. gelb, beim Fell, nicht zum Tragen kommen.

 

Damit wären wir auch schon bei Merle.


Hier gilt das Selbe.

Sobald in der Buchstabenkombi der Großbuchstabe M auftaucht ist der Hund merlefarben.

Zumindest sollte dies für das beim Bolonka relevante Merle-Gen gelten.

Leider gilt auch dies wieder nur für schwarze und braune Hunde.

Rot, bzw. gelb lassen (mal ganz populärwissenschaftlich ausgedrückt) das dominante M unsichtbar werden.

Bei Merle kommt hinzu, dass es zwar ein Gen ist, welches optisch dominant ist, aber bei welchen gesundheitliche Probleme selten auftauchen, wenn es nur in einfacher Form vorliegt, aber sehr häufig, wenn es doppelt vorhanden ist.

Hinzu kommt, dass noch wenig erforscht ist, wie gesundheitsschädlich auch das einfache vorkommen des Merle-Gens in Verbindung mit anderen weißmachenden Faktoren, wie z.B. Scheckung ist.

Hier sollte äußerste Vorsicht geboten sein.

 

Dann ist da noch das dominante Furnishing-Gen, welches bestimmt, ob ein Hund Bart- und Augenbrauenbehaarung hat.

Auch hier ist es so, dass ein Hund die typische Gesichtsbehaarung des Bolonka besitzt, sobald in der Buchstabenkombi ein großes F auftaucht.

Nur ein Hund der ff ( andere Schreibweise f/f) ist, sieht nicht wie ein typischer Bolonka aus.

Es handelt sich hier aber nicht um eine Krankheit, sondern lediglich um eine optisch unerwünschte Erscheinung.

Bei diesem Gen ist allerdings anzunehmen, dass es nicht vollständig dominant ist, da man zumindest bei Welpen oft einen optischen Unterschied zwischen Hunden die FF und Ff sind, feststellen kann.

 

Abschließend möchte ich hier sagen, dass dann große Vorsicht geboten sein sollte, wenn Krankheiten dominant vererbt werden, oder auch dann schon, wenn ein dominantes Gen in Verbindung mit Krankheiten steht.


Auf krankmachende dominante Gene sollte in der Zucht möglichst ganz verzichtet werden, soweit diese Gene nicht schon so weit verbreitet sind, dass sie nicht mehr heraus zu selektieren sind, ohne sonstigen Schaden anzurichten.


Nun gibt es aber auch Dinge, die rezessiv vererbt werden.


Wie dies geschieht wurde schon für die Farbe braun beschrieben.


Weitere für den Bolonka relevante Gene, für die dies gilt sind das Dilution-Gen und das PRA(prcd)-Gen.


Dilution steht für Verdünnung und wird mit dem Buchstaben D notiert.

Nur wenn ein Hund dd (d/d) ist, erscheint seine eigentliche Grundfarbe optisch verwässert.

Bei genetisch schwarzen Hunden spricht man dann von blau und bei  genetisch braunen Hunden von lilac.

Bei manchen Rassen treten Schwierigkeiten in Verbindung mit diesem Gen auf und ein mehr oder weniger großer Teil der Hunde leidet dann an Haarausfall und manchmal auch an Hautentzündungen.

Beim Bolonka ist Verdünnung noch selten und es gibt noch keine Daten darüber, ob es zu genannten Problemen kommen kann.


Neuerdings findet man auch PRA(prcd) Testergebnisse auf Züchterseiten.

Die Relevanz dieses Tests wurde erst kürzlich für den Bolonka nachgewiesen.

Hier wird das Ergebnis etwas anders notiert.

N/N bedeutet, dass der Hund kein Träger dieser Augenerkrankung ist.

N/PRA(prcd) bedeutet, dass der Hund zwar Träger ist, aber selber nicht erkranken wird.

PRA(prcd)/PRA(prcd) bedeutet, dass der Hund das Gen zwei Mal besitzt und mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe seines Lebens erblinden wird.


Mit Trägertieren von Krankheiten, die rezessiv vererbt werden, kann man züchten, es ist aber äußerste Vorsicht geboten. Niemals sollten zwei Träger miteinander verpaart werden.

Hunde die das Gen doppelt haben, gehören nicht in die Zucht.

Aus Würfen an denen ein Träger beteiligt ist, sollten möglichst nur Welpen zur Zucht weiter verwendet werden, die das Gen nicht tragen um langfristig nicht vermehrt Trägertiere in der Zucht zu haben, die Verpaarungen erschweren.

 

Nun bleibt nur noch eine Bemerkung zu der Bedeutung von DAN-Profilen.

Leider wissen viele Züchter selbst nicht, dass es hier sehr unterschiedliche Profile gibt.

Das kleinere der beiden Profile kann nichts weiter, als nachweisen, dass der Hund der Hund ist und ist damit ein besserer Chip.

Nur das große Profil kann auch eine Elternschaft nachweisen und macht somit wirklich Sinn.

 

Ina Stühmer